Seehandlung

Die Seehandlung und Chemische Produkten-Fabrik in Oranienburg

Ansicht des Schlosses Oranienburg. Eosander, Entwurf für die Südflügel. Kupferstich n. Broebes b. I. G. Mertz 1733.

Ansicht des Schlosses Oranienburg. Eosander, Entwurf für die Südflügel. Kupferstich n. Broebes b. I. G. Mertz 1733.

Eine besonders wichtige Maßnahme zur Wirtschaftsförderung war die Gründung der See-Handlungs-Gesellschaft. Der Plan zur Gründung stammte in der Hauptsache von dem französischen Finanzspezialisten des Königs De Lattre. Die unmittelbare Veranlassung zu der Gründung war der Gebietszuwachs nach der ersten Teilung Polens. In einem Patent vom 14. Oktober 1772 legte der König die Aufgaben dieser Gesellschaft fest. Sie war als Aktiengesellschaft gegründet und stellte „den Typus eines merkantilistischen Wirtschaftsunternehmens dar.“

Das Jahr 1820 brachte nicht nur die Neuordnung des Staatshaushaltes und des Staatsschuldenwesens, sondern änderte auch die Verhältnisse der Seehandlungsgesellschaft. Sie wurde aus dem Schatzministerium herausgelöst und arbeitete unabhängig als Geld- und Handlungsinstitut des Staates.

Unter den Verbindungen der Seehandlung zu Wirtschaftsunternehmen haben die zur „Chemischen Produktenfabrik“ in Oranienburg eine besondere Bedeutung. Schon seit dem Jahre 1826 bestanden Beziehungen zu dem Oranienburger Unternehmen; 1832 wurde ein größerer Vorschuss von 60.000 Rthlr. gewährt. Der entsprechende Vertrag sah jedoch vor, dass die Verwaltung der Fabrik zur Sicherung eines geordneten Geschäftbetriebs in die Hände der Seehandlung überging. Im gleichen Jahr übernahm Runge die technische Leitung der Chemischen Fabrik in Oranienburg und behielt sie bis 1852.

Im Jahre 1841 erwarb die Seehandlung dann die „Chemische Produktenfabrik“ mit dem Vertrag vom 4./8. Februar 1841 käuflich.

Es gibt Berechnungen, nach denen durch die in der Fabrik angestellten Mitarbeiter direkt etwa 700 Menschen in Oranienburg ernährt wurden. Bei einer Einwohnerzahl der Stadt zu dieser Zeit von etwa 3.300 waren somit knapp über 20% von der Fabrik abhängig.

Runges chemisch-naturwissenschaftliche Forschung, die zu epochalen Entdeckungen führte, ist der Leitung der chemischen Fabrik verborgen geblieben. Runge hat die Uneinsichtigkeit, die seine Vorschläge zur industriellen Verwertung seiner Entdeckungen zunichte machte, mehrfach beklagt (s. 14. Hauswirtschaftlicher Brief). Die Darstellung der Anilinfarben hat wenig später zur Gründung großer Industriebetriebe geführt.